Nach der Wahl ist vor der Wahl...
...und ich bin nicht sicher, ob ich Politiker vor oder nach Wahlen
widerlicher finden soll. Was sie sich vor der Wahl an
Erinnerungslücken, Halbwahrheiten und eindeutigen Lügen geleistet haben
ist ja hinreichend bekannt. Dieses Schmierentheater allerdings, das
jetzt nach der Wahl abläuft, ist irgendwie noch schlimmer. Vor der Wahl
gesteht man den Damen und Herren ja noch zu, daß sie eben lügen und
betrügen müssen, weil sie gerne gewählt werden müssen. Aber das, was
sie nach der Wahl liefern, das kann man doch bestenfalls mit
tiefsitzender charakterlicher Degeneration erklären.
Schröder wollte eine Bestätigung für seinen Kurs, ist jetzt Chef einer
30%-Partei, hat 6% zur letzten schon lausigen Wahl verloren und sieht
das alles als überwältigenden Beleg dafür, daß die Bürger ihn als
Kanzler wollen. Okay, man muß dazu so ziemlich alles vergessen, was vor
der Wahl von der SPD gesagt worden ist. Man muß dazu auch vergessen,
daß Schröder ja eigentlich an der Halbierung der Arbeitslosenzahlen
gemessen werden wollte und sonst keine Wiederwahl verdient haben
wollte. Man muß dazu auch vergessen, daß die SPD keinerlei Konzept für
die Zukunft hat außer "Weiter so". Deshalb muß Gerhard auch Kanzler
werden, denn sonst hat die SPD so rein gar nichts in eine große
Koalition einzubringen. Und all das sind tatsächlich keine Gründe
gegen, sondern für seine Kanzlerschaft. Völliger Realitätsverlust
gepaart mit schon ekeliger Selbstüberschätzung: wir bekommen immer die
Politiker, die wir verdienen.
Merkel wollte Rot-Grün ablösen. Sie ist jetzt Chefin einer 30%-Partei,
hat noch verloren zur letzten schon lausigen Wahl und sieht das als
überwältigenden Beleg dafür, daß die Bürger sie als Kanzlerin wollen.
Wenn man sich Frau Merkel als Kanzlerin vorstellen will, dann vergißt
man besser einiges, was vor der Wahl gewesen ist. Vor allem sollte man
schnell vergessen, wie die CDU mit ihren eigenen Leuten umgeht: Das
unwürdige Verhalten der CDU gegenüber Herrn Kirchhof alleine reicht
schon, um zu Zweifel daran zu haben, daß die CDU dieses Land würdig
vertreten kann. Mist, ich merke gerade, ich habe mich in meiner
eignenen Argumentattion verfangen: Gerade das unwürdige und schleimige
Verhalten der CDU ist natürlich GENAU DER GRUND, warum Merkel Kanzlerin
werden muß. Weinerliches Nichtwahrhabenwollen gepaart mit schwachem
Rückgrat und unloyalem Verhalten - wir kriegen genau die Politiker, die
wir verdienen.
Westerwelle verdienen wir auch. Der fühlt sich jetzt als Wahlsieger.
Scheinbar hat er als einer der wenigen nicht mitbekommen, daß über die
Hälfte der FDP-Wähler nur deshalb FDP gewählt haben, weil sie eine
große Koalition verhindern wollten. Die FDP ist in Wahrheit eine
4,0%-Partei, und das ist sie hauptsächlich wegen ihrer völlig
unerträglichen Führungsspitze. Wenn Westerwelle als Wahlsieger nun
Gerhardt (ist der Wahlverlierer?) als Fraktionsvorsitzenden ablösen
will, dann ist das wie vom Regen in die Traufe - nein, besser: wie von
Willi zu Biene Maja. Vergesslichkeiten und eitele Selbstgerechtigkeit -
wir kriegen tatsächlich die Politiker, die wir verdienen.
Und die Grünen? Naja, der Joschka-Wahlverein weiß doch nun, was Sache
ist: Joschka steht in der Opposition für nichts zur Verfügung. Und da
die Grünen wissen, daß sie ohne Joschka ins Nichts fallen, werden
sie alles tun, um in irgendeine Regierung zu kommen, damit Joschka noch
ein Weilchen bleibt und somit auch die eigenen Posten und Pfründe noch
ein wenig gesichert sind.. Eigeninteresse als eigentliche Triebfeder -
und was soll ich sagen: Irgendwie haben wir genau solche Figuren
verdient...
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