nachwuchsidiot
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Idiotenkultur
Das Schöne an Deutschland...
...ist, daß man immer weiß, wenn man da ist.
Ich stehe an dieser roten Fußgängerampel vor einem ziemlich breiten
Überweg über eine ziemlich breite Straße. Mit meiner rechten Schulter
lehne ich mich (erschöpft vom Tag sozusagen) an das kühle Metall des
Ampelpfostens (stehe also links vom Ampfelpfosten) und plaudere mit
einer Kollegin, die sich ihrerseits mit ihrer linken Schulter an den
Ampelpfosten lehnt (also rechts von der Ampel steht). Natürlich wäre es
in nahezu jedem Land der Welt für nahezu jede Story völlig
unwichtig zu wissen, wer auf welcher Seite des Ampelpfostens gestanden
hat. Aber das gilt eben nur für nahezu jedes Land. In Deutschland
passiert Folgendes:
Am Bremsenquietschen konnte ich merken, daß da ein Radfahrer hinter mir
zum Halten gekommen war. Dieser Radfahrer fing dann an, sich ein wenig
zu räuspern. Offensichtlich wollte er damit meine Aufmerksamkeit
erregen, denn da ich auf sein Räuspern nicht reagierte, sprach er dann:
"Hallo, Sie müssen nach drüben!"
Nun war ich einen Moment irritiert. Die Aufforderung, nach Drüben zu
gehen war ja in den 80ern ein beliebtes Totschlagargument bei
politischen Diskussionen, aber welchen Sinn konnte das an einer
Fußgängerampel im Norddeutschen Herbstregen haben? Hatte ich
irgendwelche radikalen politischen Aufnäher hinten auf der Jacke, ohne
davon zu ahnen? Entsprechend wirklich irritiert muß mein
Gesichtsausdruck gewesen sein, als ich mich zu ihm umdrehte.
"Fußgänger müssen nach drüben!" Nun versteh ich gar nichts mehr. Habe
ich mich durch mein Zu-Fuß-Gehen der postmortalen Symphatie für den
ehemals real existierenden Sozialismus verdächtig gemacht? Oder was?
Der Gesichtsausdruck des Radfahrers enwickelt sich zu einer Mischung
aus Unverständnis ob meines Unverständnisses und unglaublicher
Genervtheit, wohl weil er (Typ Mittvierziger Angestellter am besten im
Umweltdezernat, der so weit es geht das Rad benutzt, einmal wegen Öko
und Benzinpreis (woran ja eigentlich der Ami Schuld ist..), klar, aber
auch weil die Frau das Auto braucht, um zum Chakren-Kurs an die Nordsee
zu fahren...) es nicht fassen kann, so einem Fußgänger-Deppen
einfachste Tatbestände mehrfach erklären zu müssen.
"Für Fußgänger
ist da drüben!" Und nun verstehe ich es endlich. Was diese
menschgewordene Wollsocke versucht, mir zu vermitteln, ist: Ich habe
als Fußgänger links von dem Ampelpfosten nichts zu suchen, sondern soll
meinen müden Arsch gefälligst auf die mir gesetzlich oder aus
sonstwelchen Gründen zugewiesene rechte Seite des Ampelpfahls bewegen,
und zwar dalli! Okay, außer uns ist da niemand an der Ampel, der Weg
ist sehr sehr breit, es ist also völlig egal, wo ich stehe, es handelt sich um 20 cm. Eigentlich.
Aber auch nur eigentlich, denn wir sind ja in Deutschland, und da
findet sich immer ein kleiner Blockwart, der dafür sorgt, daß auch
alles so richtig seine Richtigkeit hat.
Und noch bevor ich antworten kann (das Dumme ist ja sowieso, das einem
die wirklich guten Antworten immer erst hinterher einfallen), springt
die Ampel auf Grün und mit einem letzten verächtlichen und entnervten
Seufzen schwingt sich der Fußgängerampel-Blockwart auf sein Tourenrad,
saust über die Ampel und mit Vollgas hinein in die Fußgängerzone
gegenüber, in der natürlich Radfahren verboten ist. Es ist schön, immer
mal wieder daran erinnert zu werden, daß man in Deutschland lebt.
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Nach der Wahl ist vor der Wahl...
...und ich bin nicht sicher, ob ich Politiker vor oder nach Wahlen
widerlicher finden soll. Was sie sich vor der Wahl an
Erinnerungslücken, Halbwahrheiten und eindeutigen Lügen geleistet haben
ist ja hinreichend bekannt. Dieses Schmierentheater allerdings, das
jetzt nach der Wahl abläuft, ist irgendwie noch schlimmer. Vor der Wahl
gesteht man den Damen und Herren ja noch zu, daß sie eben lügen und
betrügen müssen, weil sie gerne gewählt werden müssen. Aber das, was
sie nach der Wahl liefern, das kann man doch bestenfalls mit
tiefsitzender charakterlicher Degeneration erklären.
Schröder wollte eine Bestätigung für seinen Kurs, ist jetzt Chef einer
30%-Partei, hat 6% zur letzten schon lausigen Wahl verloren und sieht
das alles als überwältigenden Beleg dafür, daß die Bürger ihn als
Kanzler wollen. Okay, man muß dazu so ziemlich alles vergessen, was vor
der Wahl von der SPD gesagt worden ist. Man muß dazu auch vergessen,
daß Schröder ja eigentlich an der Halbierung der Arbeitslosenzahlen
gemessen werden wollte und sonst keine Wiederwahl verdient haben
wollte. Man muß dazu auch vergessen, daß die SPD keinerlei Konzept für
die Zukunft hat außer "Weiter so". Deshalb muß Gerhard auch Kanzler
werden, denn sonst hat die SPD so rein gar nichts in eine große
Koalition einzubringen. Und all das sind tatsächlich keine Gründe
gegen, sondern für seine Kanzlerschaft. Völliger Realitätsverlust
gepaart mit schon ekeliger Selbstüberschätzung: wir bekommen immer die
Politiker, die wir verdienen.
Merkel wollte Rot-Grün ablösen. Sie ist jetzt Chefin einer 30%-Partei,
hat noch verloren zur letzten schon lausigen Wahl und sieht das als
überwältigenden Beleg dafür, daß die Bürger sie als Kanzlerin wollen.
Wenn man sich Frau Merkel als Kanzlerin vorstellen will, dann vergißt
man besser einiges, was vor der Wahl gewesen ist. Vor allem sollte man
schnell vergessen, wie die CDU mit ihren eigenen Leuten umgeht: Das
unwürdige Verhalten der CDU gegenüber Herrn Kirchhof alleine reicht
schon, um zu Zweifel daran zu haben, daß die CDU dieses Land würdig
vertreten kann. Mist, ich merke gerade, ich habe mich in meiner
eignenen Argumentattion verfangen: Gerade das unwürdige und schleimige
Verhalten der CDU ist natürlich GENAU DER GRUND, warum Merkel Kanzlerin
werden muß. Weinerliches Nichtwahrhabenwollen gepaart mit schwachem
Rückgrat und unloyalem Verhalten - wir kriegen genau die Politiker, die
wir verdienen.
Westerwelle verdienen wir auch. Der fühlt sich jetzt als Wahlsieger.
Scheinbar hat er als einer der wenigen nicht mitbekommen, daß über die
Hälfte der FDP-Wähler nur deshalb FDP gewählt haben, weil sie eine
große Koalition verhindern wollten. Die FDP ist in Wahrheit eine
4,0%-Partei, und das ist sie hauptsächlich wegen ihrer völlig
unerträglichen Führungsspitze. Wenn Westerwelle als Wahlsieger nun
Gerhardt (ist der Wahlverlierer?) als Fraktionsvorsitzenden ablösen
will, dann ist das wie vom Regen in die Traufe - nein, besser: wie von
Willi zu Biene Maja. Vergesslichkeiten und eitele Selbstgerechtigkeit -
wir kriegen tatsächlich die Politiker, die wir verdienen.
Und die Grünen? Naja, der Joschka-Wahlverein weiß doch nun, was Sache
ist: Joschka steht in der Opposition für nichts zur Verfügung. Und da
die Grünen wissen, daß sie ohne Joschka ins Nichts fallen, werden
sie alles tun, um in irgendeine Regierung zu kommen, damit Joschka noch
ein Weilchen bleibt und somit auch die eigenen Posten und Pfründe noch
ein wenig gesichert sind.. Eigeninteresse als eigentliche Triebfeder -
und was soll ich sagen: Irgendwie haben wir genau solche Figuren
verdient...
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Prophetie! Und Schröder wird Kanzler *g*
Von wegen, damit (mit dem Wahlergebnis, menno) hat niemand gerechnet. Ha. Ich schon! Ich zitier mich mal selbst, vom 10.08.:
"...das Wahlvieh hat entsetzt festgestellt, daß
die CDU irgendwie alles genauso machen wird wie die SPD nur noch ein
wenig schlimmer und daß man Angela doch lieber nicht genauer
kennenlernen möchte, weder politisch noch privat.
Nun wollen zwar alle den Wechsel, aber irgendwie auch wieder doch nicht
und die besonders Brunzdummen wählen dann eben die
Gysi-Lafontaine-Suppenkasperpartei, die zu ihrem (und wohl auch
unserem) Glück niemals werden sagen müssen, wie genau sie das
sozialistische Schlaraffenland denn nun schaffen wollen, das sie da so
vollmundig versprechen. Aber das Wahlvieh hat es eben "denen da oben
mal so richtig gezeigt". Prima. Dafür gibt es genau einen Punkt für
Bemühen (das ist der, den man auch bekommt, wenn man auch Klausuren
seinen Namen richtig an die richtige Stelle schreiben kann...) und ca.
1 Milliarde Minuspunkte für Dämlichkeit.
Die CDU hingegen leistet sich Patzer um Patzer (vielleicht hofft man
ja zu Recht darauf, daß 80% des Wahlviehs brutto und netto auch
nicht so ganz wirklich unterscheiden können..) und die SPD holt
unermüdlich auf. Kann man das riskieren, daß die nochmal regieren? Kann
man andererseits Merkel riskieren?"
Kann man die Situation treffender beschreiben? Ja *g*:
"Gesamturteil: Die SPD gewinnt knapp, aber nur wegen der deutlich
überlegenen Spitzenkandidaten, die auch besser gekleidet sind, und der
deutlich dünneren Pannenhäufigkeit in letzter Zeit. Okay, das ganze
KÖNNTE anders aussehen, wenn man sich mal mit den Programmen
beschäftigen würde. Da die aber von den betreffenden Parteien ja eh nur
als Wahlkampffutter ausgegeben werden und nichts, aber auch gar nichts
mit der Realität nach der Wahl zu tun haben, wird wohl wieder Schröder
Kanzler. Wer wettet dagegen?"
Warten
wir also Dresden mal ab. Und Schröder wird wieder Kanzler. Wer wettet
jetzt dagegen? Und ich werde fast Meinungsforscher... ;o)
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WIR SIND SIEGER!!!
Ich finde das
unglaublich schön, daß wir alle gewonnen haben. Das ist sowieso etwas,
was unsere Kuschelgesellschaft sehr gerne mag. Alle gewinnen und so. In
der Wirtschaft nennt man das Win-Win-Situation. Das ist z.B. wenn man
2500 Mitarbeiter loswerden muß, weil die zu wenig arbeiten für zuviel
Geld. Dann schmeißt man die nicht einfach raus wie überall sonst auf
der Welt. Oh neeee. In Deutschland bekommen diese 2500 Mitarbeiter "die
Chance der beruflichen Neuorientierung". Dazu müssen die sich dann zwar
an die Deppen vom Arbeitsamt wenden, aber innerhalb des Unternehmens
ist man so ergriffen über die eigene Güte und die tolle
Win-Win-Situation, die man da geschaffen hat, daß man überlegt,
vielleicht noch 2500 Mitarbeitern auch diese einmalige Chance zu
eröffnen. Aber, ich schweife ab...
Wir sind jedenfalls Sieger. Alle. Egal was wir gewählt haben. Und das ist schon irgendwie toll.
Die SPD hat die
Wahl gewonnen, weil sie Schwarz-Gelb verhindert hat und nicht so
desaströs abgeschnitten hat, wie vermutet worden war. Okay, sie
hat ein unglaublich schlechtes Ergebnis eingefahren und kann auch nicht
weiterregieren und Herr Schröder, der ja eine neue Legitimation für
seine Politik wollte musste schon sehr viel Cognac trinken gestern
abend vor der Elefantenrunde, um sich das passend hin zu erklären. (Das
war übrigens der große Moment von Westerwelle. Offensichtlich
etwas angepisst von der Tatsache, nun doch nicht Vizekanzlerin werden
zu können, hat er dem Kanzler ja seinen Drogenmissbrauch direkt
vorgeworfen, ob er allerdings die Flasche Cognac mit Currywurst-Einlage
im Sinn hatte, die ich Schröder zutraue oder mehr die Linie auf der
Bundestagstoilette, die wohl Westerwelles Lebenswirklichkeit näher sein
dürfte... wer weiß...)
Dann allerdings
als Medien-Kanzler noch in Medienschelte auszubrechen, das hat schon
wirklich Chuzpe. Schröder, der im ganzen Wahlkampf kein einziges
programmatisches Wort verloren hat und ausschließlich mit
Lächeln, Grinsen und Daumen-hoch-Gesten gearbeitet hat und dabei
eifrige Unterstützung in allen Medien fand, beschwert sich bitter über
den Medienwahlkampf. Das ist einfach groß.
Aber zurück zu
den Wahlergebnissen. Die SPD hat also gewonnen. Was auch immer.
Genau wie die CDU. Die hat nämlich dafür gesorgt, daß Rot-Grün keine
Mehrheit mehr hat und deshalb natürlich klar gewonnen. Okay, man hat
das mieseste Ergebnis seit langem (zu Recht nach einem unglaublich
dilletantischen Wahlkampf) und Frau Merkel wirkte dann auch gestern
konsequent wie eine Mittelschülerin, die sitzen geblieben ist. Aber
scheiß drauf, in der Hauptsache gewonnen.
Auch gewonnen
hat natürlich Westerwelle. Und freut sich wie ein Honigkuchenpferd.
Okay, man wird mit dem besten Wahlergebnis seit immer in die
Opposition gehen müssen. Und man hat mehr als die Hälfte der
Stimmen von CDU-Wählern bekommen, die die große Koalition
verhindern wollten. Denn kaum jemand wird tatsächlich aus
Überzeugung diese Ansammlung von Kaspern und Regionalpolitikern wählen,
die die FDP da im Moment vertreten, da kann das Programm auch noch so
gut sein. Aber wen interessiert das schon, Hauptsache gewonnen.
Die Grünen haben
natürlich auch gewonnen. Weil sie nicht verloren haben. Oder weil sie
nur wenig verloren haben. Wen interessiert das schon, Daumen hoch,
gewonnen ist gewonnen.
Die SED hat
natürlich auch gewonnen, und zwar am meisten. Was soll man dazu sagen?
Ich hätte einen Vorschlag zur Güte: Wir nehmen die 25% aus der Ex-SBZ,
die da offensichtlich unter akuter Amnesie leiden und sperren sie
zusammen mit Gysi und Lafontaine und den anderen SED-Politikern nach -
sagen wir - Brandenburg, machen eine Mauer drum und lassen sie mal so
10 Jahre mit ihren sozialistischen Traumvorstellungen rumspielen und
dann schauen wir mal wieder rein.
Tja. Wir alle
sind Sieger. Das ist irgendwie toll. Komisch nur, daß ich mich darüber
gar nicht so wirklich freuen kann. Aber wen interessiert das schon.
Hauptsache gewonnen.
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Unser soziales Netz...
Heute
morgen in der üblichen Büro-Spamm-Funmail-Welle war dies, und weil ich
es ganz aussagekräftuig finde, kopier ich es hier mal rein:
Wenn
ich einmal in später Zukunft alt und klapprig bin, werde ich bestimmt
nicht ins Altersheim gehen, sondern auf ein Kreuzfahrtschiff.
Die Gründe dafür hat mir unsere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt geliefert:
"Die durchschnittlichen Kosten für ein Altersheim betragen 200 € pro Tag!!! "
Ich
habe eine Reservierung für das Kreuzfahrtschiff "AIDA" geprüft und muss
für eine Langzeitreise als Rentner 135 € pro Tag zahlen!! Nach Adam
Riese bleiben mir dann noch 65 € pro Tag über. Die kann ich verwenden
für:
1. Trinkgelder 10 EUR pro Tag
2.
Ich habe mindestens 10 freie Mahlzeiten wenn ich in eines der
Restaurant wackele oder sogar das Essen vom Room-Service mir aufs
Zimmer bringen lasse, d. h. : Ich kann jeden Tag der Woche mein
Frühstück im Bett einnehmen.
3. Die Aida hat 3 Swimming-Pools, einen Fitnessraum, frei Waschmaschinen und Trockner und sogar jeden Abend Shows.
4. Es gibt auf dem Schiff kostenlos Zahnpasta, Rasierer, Seife und Shampoo.
5.
Das Personal behandelt mich wie einen Kunde, nicht wie einen Patienten.
Für extra 5 € Trinkgeld lesen mir die Stewards jeden Wunsch von den
Augen ab.
6. Alle 8 bis 14 Tage lerne ich neue Leute kennen.
7.
Fernseher defekt? Glühbirnen müssen gewechselt werden? Die Bettmatratze
ist viel zu hart oder zu weich? Kein Problem, das Personal wechselt es
kostenlos und bedankt sich für mein Verständnis.
8. Frische Bettwäsche und Handtücher selbstverständlich jeden Tag, und ich muss nicht einmal danach fragen.
9.
Wenn ich im Altersheim falle und mir die Rippen breche, komme ich ins
Krankenhaus und muss gemäß der neuen Krankenkassenreform täglich dick
draufzahlen. Auf der "AIDA" bekomme ich für den Rest der Reise eine
Suite und werde vom Bordarzt kostenlos verarztet.
Nun
das Beste. Mit der "AIDA" kann ich nach Süd-Amerika, Australien, Japan,
Asien.... wohin auch immer ich will. Darum sucht mich in Zukunft nicht
in einem Altersheim, sondern just call shore to ship.
Ich spare auf der "AIDA" damit jeden Tag 50 € und muss nicht einmal für meine Beerdigung ansparen. Mein letzter Wunsch ist:
Werft mich nur gerade über die Reeling. Kostenlos.
Quelle: n.A.
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Ergänzung: Stoiber hat ja Recht
Klar, Stoiber
hat schon Recht. Es ist tatsächlich unerträglich mitanzusehen, wie das
Land eventuell für weitere 4 Jahre in Blockade und Lethargie versinkt,
nur weil ein Haufen Deppen im Osten immer noch nicht gelernt hat, daß
unhaltbare sozialistische Versprechen eben genau das sind: unhaltbar.
Was seine
Aussagen trotzdem so widerlich macht ist, daß es ihm nicht darum ging,
eben diese Wähler von der Sinnlosigkeit bzw. Gefährlichkeit ihres
Wahlvorhaben zu überzeugen, sondern die Vorurteile und Ressentiments
des westdeutschen Proletentums zu bedienen. WENN er in den Osten
gegangen wäre und da gesagt hätte: 'Wählt diese Leute nicht, was sie
euch versprechen können sie nicht halten und ihr nagelt das Land weiter
in der Erstarrung fest....', dann könnte man Respekt vor ihm haben.
Aber genau das traut er sich ja nicht. Da giftet er lieber aus der
sicheren Position eines bayrischen Bierzelts und zeigt, was er wirklich
ist: ein Provinzpolitiker ohne Ziel und Vision.
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Wahlvieh-Fishing
Der Mensch braucht immer jemanden, auf den er herabblicken kann. Die
Deutschen blicken auf die diebigen Polen herab, die Polen blicken auf
die faulen Russen herab, die Russen blicken auf die stinkenden Chinesen
herab und die Chinesen blicken auf die jammernden Deutschen herab. Man
möchte fast an Escher-Bilder denken...
Für manche Leute
ist es allerdings schwer, überhaupt jemanden zu
finden, auf den sie herabblicken können, weil sie selbst ziemlich weit
unten stehen - gesellschaftlich, finanziell, geistig. Es ist kein
großes Wunder, das offener Rassismus in den untersten sozialen
Schichten am deutlichsten zu Tage tritt. Der normale Skinhead
beispielsweise, mental randständig bis grenzdebil wie er nun mal ist,
hat eigentlich gar keine andere Wahl als sich pausenlos selbst zu
verprügeln, weil er ja in persona für all das steht, was seine eigene
krude Ideologie als "unwert" bzw. "auslöschungswert" betrachtet. Weil
er aber zum Selbstverprügeln zu fett und zu ungelenk ist, rottet er
sich im Normalfall zusammen und prügelt besoffene Penner oder Ausländer
tot, weil er es irgendwie fertig kriegt zu glauben, daß die noch unter
ihm stehen würden.
Wer sich
gelegentlich mal mit dem Unterschichtenfernsehen beschäftigt, wird
sicher diese grandiosen journalistischen Leistungen kennen:
Investigativer Journalist hält irgendwelchen gesichtsentgleisten
Gestalten in irgendeiner Fußgängerzone ein Mikrofon ins Gesicht, fragt
nach irgendeiner Meinung und läßt die Befragten dann hemmungslos
rumprollen. Und da weiß dann der Hartz-IV-Bezieher-West ("Isch jeh doch
nisch aabaiten, wärja plöd, da kriesch isch ja wenicha mit maine
Ausbildung als so vonne Stütze, ne") genau, wer an dem ganzen Elend
schuld ist: Natürlich die faulen Schweine im Osten! 45 Jahre nix
geleistet und dann hier Fettlebe! Das er selbst auch in seinem ganzen
Leben noch nichts wirkliches geleistet hat unterschlägt er dabei, wen
interessiert das auch. Für den West-Unterprivilegierten steht der
Ost-Unterprivilegierte noch unter dem West-Unterprivilegierten. So hat
auch er einen zum drauf runtergucken. Insgesamt steht der Ostler im allgemeinen noch unter
ihm, dem West-Unterprivilegierten, weil er ja praktisch qua Geburt die
Bundesrepublik mit aufgebaut hat und die dummen Ostler nun einfach so
alles in Arsch gesteckt bekommen.
Der
Ost-Unterprivilegierte, nun ebenfalls mit einem investigativen Mikrofon
konfrontiert, sieht das ganz ähnlich, nur irgendwie andersrum. Einig
sind sich beide allerdings darin,
daß die Schuld am Elend natürlich auch bei den ganzen Ausländern zu
suchen ist, die einem (irgendeinem, auf keinen Fall dem, der da gerade
das Mikro im Gesicht hat, denn der würde solche Drecksjobs niemals
machen, wäre ja blöde...) hier die Arbeitsplätze wegnehmen (Wie der
Ostler
diesen Gedankengang übrigens fertigbekommt bei einem Ausländeranteil
von unter 1% in den neuen Bundesländern bleibt mir ein ewiges
Geheimnis, es geht auf jeden Fall...).
Nun stellen wir
uns mal vor, wir sind Politiker und können (wollen) auch auf diese
Wählerstimmen nicht verzichten. Mit irgendwelchen elaborierten Theorien
zu Wachstum und Beschäftigung braucht man denen ja nun nicht zu kommen
(und selbst wenn man könnte: Welcher von unseren Polit-Schauspielern
hätte denn eine solche Theorie parat?). Also greift man auf die
einfachen Parolen zurück, die diese Leute als einziges verstehen und
gibt auch dem hinterletzten Doofmann das Gefühl, das es noch jemanden
gibt, auf den selbst er herabblicken kann.
Lafontaine und
seine Kollegen haben die Ost-Unterprivilegierten mit dem Gerede von den
Fremdarbeitern, die den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen und dem
jüdisch-amerikanischen Turbokapitalismus, der eh an allem Schuld ist,
schon im Sack, wie man an den Umfragewerten für seine Kasperpartei
sehen kann. Nun muß die CDU / CSU natürlich dringend nachziehen
und schickt ihren Mann für's grob-gehackte vor, den Herrn Stoiber. Und
der versichert mit ein paar wohlkalkulierten Sätzen dem
durchschnittlichen West-Unterprivilegierten, wer denn der allerletzte
Arsch im Lande ist - klar, der Ossi. So hat sich jeder um seinen Teil
des Wahlviehs gekümmert und alle sind zufrieden.
Zonen-Angie muß
nun in den nächsten paar Wochen die Ost-Seele noch ziemlich streicheln
und so tun, als sie sie Herrn Stoiber auch ein wenig böse. Aber so ein
wenig Spagat muß man in Wahlzeiten schon mal in Kauf nehmen.
Eigentlich ist
es zum Heulen. Okay, ich mag den Schröder, weil ich finde, daß er ein
guter Kanzler-Darsteller ist. Aber daß seine Partei, deren Kalender
wohl immernoch in großen Teilen irgendwelche Jahre in den 70ern
anzeigen, nicht weiter an der Regierung rumwurschteln sollte, da bin
ich mir auch ganz sicher. Nur: Wenn ich mir das alternative Dream-Team
Merkel-Stoiber-Westerwelle ansehe bin ich mir auch ganz ganz sicher,
daß es mit denen nicht wirklich besser wird. Wenn die sich nach der
Wahl ähnlich dämlich anstellen wie jetzt, wo sie sich ja nahezu täglich
selbst in den Fuß schießen, dann Gnade uns Gott...
Ist es so, daß
wir die Politiker haben, die wir verdienen? Weil wir selbst ein Volk
von Volltrotteln sind werden wir von Volltrotteln regiert? Mist. Auf
wen sollen wir denn dann langfristig noch hinabsehen?
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