nachwuchsidiot
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Poesie
Gefunden
Die Häherfeder
Ich bin, wo der Eichelhäher
zwischen den Zweigen streicht,
einem Geheimnis näher,
das nicht ins Bewußtsein reicht.
Es preßt mir Herz und Lunge,
nimmt jäh mir den Atem fort,
es liegt mir auf der Zunge,
doch gibt es dafür kein Wort.
Ich weiß nicht, welches der Dinge
oder ob es der Wind enthält.
Das Rauschen der Vogelschwinge,
begreift es den Sinn der Welt?
Der Häher warf seine blaue
Feder in den Sand.
Sie liegt wie eine schlaue
Antwort in meiner Hand.
Günter Eich
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In Folge vorweggenommen
Herbsttag
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
R. M. Rilke
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Zu Abend mein Herz
Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse.
Zwei Rappen springen auf der Wiese.
Der rote Ahorn rauscht.
Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg.
Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse.
Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald.
Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken.
Auf das Gesicht tropft Tau.
Georg Trakl
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Na aber...
Das Niedersachsenlied
Herman Grote, 1934
Von der Weser bis zur Elbe, von dem Harz bis an das Meer,
stehen Niedersachsens Söhne, eine feste Burg und Wehr.
Fest wie unsere Eichen halten alle Zeit wir stand,
wenn die Stürme brausen übers Deutsche Vaterland.
Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm.
Wo fielen die röm'schen Schergen? Wo versank die welsche Brut?
In Niedersachsens Bergen, an Niedersachsens Wut.
Wer warf den röm'schen Adler nieder in den Sand?
Wer hielt die Freiheit hoch im Deutschen Vaterland?
Das war'n die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm.
Auf blühend roter Heide starben einst vieltausend Mann,
für Niedersachsens Treue traf sie des Franken Bann.
Vieltausend Brüder fielen von des Henkers Hand,
vieltausend Brüder für ihr Niedersachsenland.
Das war'n die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm.
Aus der Väter Blut und Wunden wächst der Söhne Heldenmut.
Niedersachsen soll's bekunden: Für die Freiheit Gut und Blut!
Fest wie unsere Eichen halten alle Zeit wir stand,
wenn die Stürme brausen übers Deutsche Vaterland.
Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm.
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Vorsorglich
Der Gewitterabend
O die roten Abendstunden:
Flimmernd schwankt am offenen Fenster
Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
drinnen nisten Angstgespenster.
Staub tanzt im Gestank der Gossen.
Klirrend stößt der Wind in Scheiben.
Einen Zug von wilden Rossen
Blitze grelle Wolken treiben.
Laut zerspringt der Weiherspiegel.
Möwen schrein am Fensterrahmen.
Feuerreiter sprengt vom Hügel
und zerschellt im Tann zu Flammen.
Kranke kreischen im Spitale.
Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.
Glitzernd braust mit einem Male
Regen auf die Dächer nieder.
Georg Trakl
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Ein Reim auf Mensch...
Der Dichter
Antek und Franzek seh'n in Ruh
dem Mühen eines Dichters zu,
hier einen Reim auf "Mensch" zu finden
und in den Vers dann einzubinden. -
"Was ist, Du brauchst ein Reim auf 'Mensch'?
Pjerunna, nimm doch einfach 'pensch'!"
Der Dichter hier war leicht verstört
und fragt, 'pensch' hab' er nie gehört.
Was für ein Wortbegriff das sei? -
"Na, dummer Hund, denk' mal was bei!
is ja kein Wort, aus Wort bloß Mitte." -
"So sagt es mir doch eben bitte!" -
"Dann streng' mal an die Denkerbirne
und zeig, ob Du was hast im Hirne.
Ich denk', Du bist in allem Firm?
Is Mitte sich von Lampenschirm!" -
"O Gott! Wie stellt Ihr Euch das vor?" -
"Paß auf, ich trag' Dir das mal vor:
Es war einmal ein armer Mensch,
der hatte einen guten Lampensch
irm, doch hatte er kein Geld zum Saufen,
da mußte er den pensch verkaufen."
Ein Schlag - Antek fängt an zu wanken
und aufgewacht ist er im Kranken-
haus, nachdem drei Tage intensiv
auf selbiger Station er schlief.
Autor: Bernhard Radek
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Der Depp
Der Depp geht öfters in die Stadt,
weil's dort so viele Deppen hat,
der Depp.
Der Depp, der ist oft auf dem Land,
wo er auch viele Deppen fand,
der Depp.
Der Depp geht nie allein ins Bett,
wo's dann zuwenig Deppen hätt',
der Depp.
Der Depp ißt, wenn er Hunger hat,
und nach dem Essen ist er satt,
der Depp.
Der Depp schläft meistens in der Nacht,
das Licht hat er dann ausgemacht,
der Depp.
Der Depp steht nie auf einem Bein,
er steht und geht auf allen zwein,
der Depp.
Der Depp, der tut nur, was er muß,
dann macht er mit der Arbeit Schluß,
der Depp.
Der Depp will manchmal seine Ruh
und macht die Hosentüre zu,
der Depp.
Noch eines tut der Depp nicht gern,
der Depp sieht gar nicht gerne fern,
der Depp.
Der Depp, der läßt sich schwer regiern,
es stimmt was nicht in seinem Hirn,
der Depp.
Der Depp zieht höflich seinen Hut,
wenn ihn Herr Tod abholen tut,
der Depp.
Der Depp gibt seinen Löffeln ab,
sein' Paß und Geld nimmt er mit ins Grab,
der Depp.
Damit darf er in' Himmel rein,
wird dort auch nicht alleine sein,
der Depp.
F. W. Bernstein
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