nachwuchsidiot
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Draussen
Männer: Füße, Bäuche, Socken, Strumpfhosen
Sie müssen
grindig sein, die Hornhaut an der Hacke muß mindestens 2 cm tiefe
Einkerbungen in die grünlich-gelbe Tothautschicht darstellen können,
die Zehen wenn's geht mit schön gelben, wulstigen Nägeln besetzt, das
alles angekoppelt an ein weißes Bein mit drahtigen Haaren... so sieht
er aus, der deutsche Männerfuß ab 45 Jahren oder so, wie er besonders
im Sommer einer notleidenden Öffentlichkeit präsentiert wird, ob die
will oder nicht.. Ich weiß, ist alles bekannt und ausreichend beklagt
worden.
Ich habe bloß in
den letzten Wochen eine Theorie entwickelt und wollte die hier mal kurz
vorstellen. Ich glaube nämlich, daß die betreffenden Männer ihre
eigenen Füße auch entsprechend häßlich finden und deshalb verhindern,
daß sie selbst derer angesichtig werden, indem sie möglichst frühzeitig
und parallel zur fortschreitenden Vergrindung der Füße sich einen
überdimensionierten Bauch züchten, der das eigene Sichtfeld angemessen
einschränkt und so die Horror-Füße nur dem wehrlosen Dritten zumutet.
Und nur da, wo das mit dem Bauch nicht klappt, da wird dann hemmungslos
zur fleischfarbenen Socke gegriffen... kann das sein? Bitte um
empirische Bestätigungen.
Noch zwei Nachbemerkungen:
Es ist nicht
ausschließlich der Mann ab 45, der seine Umwelt mit extrem(ität)en
Graumsamkeiten heimsucht - auch der Durchschnittsöko in seinen
Tewa-Sandalen kann und sollte! ab und an durchaus mal die
Hornhaut-Raspel zur Hand nehmen.
Und DAS, was
jetzt kommt, ist dann die letzte Steigerung, aber ich denke, daß fällt
schon unter sexuelle Eskapaden: Sandalen, Socken und Strumpfhosen!
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09.07.2005 - Nasser Hintern und Stiche überall
Bevor man sich
aufmacht, die nähere und auch fernere Umwelt zu erkunden, sollte man
ein solches Vorhaben natürlich gut planen. So habe ich mir gestern die
Topographische Karte 1:25000 des anvisierten Zielgebietes aus dem
Bücherregal herausgesucht, habe meine für die norddeutsche Tiefebene
geradezu lächerlich überdimensionierten Meindl Perfekt-Wanderschuhe
imprägniert, angesichts des noch grau verhangenen und leicht
inkontinenten Himmels eine halbwegs wasserdichte Jacke angezogen, dann
nochmal kurz über die geplante Wegstrecke nachgedacht und beschlossen,
den Rucksack mit 2 großen Flaschen Volvic, 2 Käsebroten, 1 Apfel, 1
Banane, 1 Tafel Schokolade, 1 Picknickdecke, 1 Rüdiger
Nehberg-Survival-Guide, je 1x Was fliegt denn da?, Was blüht denn da?
und Was kackt denn da?, 1 Schwedischen Feuerstahl, 1 Taschenmesser und
der Anstaltspackung Autan doch lieber zu Hause zu lassen.
Beim Autan war
ich unsicher, das muß ich zugeben. Aber als Kind vom Dorf weiß ich
natürlich, das Mücken tagsüber nicht unterwegs sind und wenn, dann nur
im Wald und in den Wald wollte ich nicht...
Nach kurzer
Fahrt angekommen im Zielgebiet bin ich dann, nur mit Handy und
Topographischer Karte bepackt, losgestiefelt. In den ländlichen
Gemeinden der norddeutschen Tiefebene herrscht eine stille
Übereinkunft, daß auf jeden Quadratkilometer Landschaft mindestens ein
Hermann-Löns-Gedenkstein zu stehen hat, insofern hat es mich nicht
weiter verwundert, daß ich relativ schnell auf einen solchen stieß. Der
Löns hat ja zum Glück in seinem Leben relativ viel Strecke
zurückgelegt, so daß jede Gemeinde einen angemessenen Grund für den
Gedenkstein findet: "Hier hat Hermann Löns zwei Tage gewohnt".
"Herrmann Löns wurde hier vom Bauern Erwin Paschulke im Jahr 1906
gesehen. Jedenfalls behauptet das Erwin Paschulke". "Herrmann Löns hat
hier hinter die Birke gepinkelt". "Auf dieser Wiese lebte das Schwein,
dessen Schinken Herrmann Löns im Jahre 1907 zu Weihnachten serviert
bekam". usw. usf. Es muß schlimm sein für einen Landstrich, wenn man
außer einem halbvergessenen Heimatdichter so gar nichts hat, für das
sich ein Gedenkstein lohnen würde. Allerdings bin ich froh darüber, daß
wir hier nicht katholisch sind, ich denke dann wäre die Leiche des
armen Herrmann in tausende kleine Stücke zerschnitten worden und an
jedem Gedenkstein ein Stück als Reliquie ausgestellt. So wie im
Aachener Münster Jesus Vorhaut zu bewundern ist, so hätte ich gestern
vielleicht die Freude gehabt, Herrmann Löns kleinen Zeh zu betrachten.
Naja, obwohl...
Ich lese gerade, daß gar nicht Aachen im Besitz der Vorhaut von Jesus
ist, sondern sich vier andere Kirchen um dieses Vorrecht streiten: (Charroux,
Clulombs, Puy in Frankreich, Sankt Johannes in Rom). Heidebauern, die
mit der Mistgabel auf die Bewohner der Nachbarorte losgehen, weil diese
Ketzer behaupten, im Besitz des einziges echten linken kleinen Zehs von
Herrmann Löns zu sein - nein, das will ich dann doch nicht. Lassen wir
das Reliquien-Thema rechts und den Löns-Stein links liegen und wandern
lieber weiter.
Meine Route hatte ich ja gut ausgearbeitet, so war es auch ein
Leichtes, mit gelegentlichen Blicken auf die Karte den Weg sicher zu
finden. Entlang des kleinen Heidebaches, der wirklich murmelt, dann
links abbiegen, immer den Sandweg entlang. Rechts der feuchte
Birkenbruchwald, in dem es gelegentlich platscht und plumpst, wenn sich
dicke Moorfrösche von mir gestört fühlen und in dunkelbraune
Wassertümpel hüpfen, links die Wiesen mit dem unentwegt schreienden
Weihenpaar darüber. Die Wolkendecke reißt auf, die Sonne ist zu sehen,
es wird schnell warm und ich werde langsam mißtrauisch, weil der Weg
immer enger wird, die Brombeeren und Brennesseln, die eben noch brav
links und rechts den Weg einfassten, nun immer mehr in die Mitte
drängen. Der Weg führt jetzt mitten auf eine Wiese. Und diese Wiese ist
nicht gemäht. Das Gras steht sicher einen Meter hoch. Laut meiner Karte
führt der Weg direkt über die Wiese und geht am anderen Ende weiter.
Also stapfe ich durch das hohe Gras und werde klitschnaß bis zur Hüfte.
Es hat die letzten Tage ja dauergeregnet und ca. 4 Liter dieses Regens
haben sich wohl gelangweilt auf der Wiese und sprangen freudig vom Gras
auf mich über, sitzen jetzt in meiner Hose fest.
Am anderen Ende der Wiese angekommen ist der Wald so nett, tatsächlich
da zu sein wo ihn meine Karte verzeichnet, nur der Weg, den ich schon
auf der Wiese vermisste, beharrt weiter auf seiner Abwesenheit. Ich
laufe links und rechts den Waldrand entlang, alles ist dicht verwachsen
mit Brombeeren, Brennesseln, Holunderbüschen. Kein Weg. Nirgends. Ich
drehe und wende die Karte hin und her, prüfe die Himmelsrichtung mit
alten Pfadfindertricks (den Stundenzeiger der Armbanduhr auf die Sonne
richten und die Winkelhalbierende zwischen Stunden- und Minutenzeiger
zeigt dann nach Süden... oder so ähnlich..), stochere im Gebüsch rum...
es hilft alles nix, der Weg ist weg und ich drehe um, stapfe wieder
über die Wiese, wo sich weitere 4 Liter Wasser freuen, ihre Kumpels,
die schon in meiner Hose sitzen, wiederzusehen und auch vom Gras auf
den Multifunktionsstoff meiner Hose umzusteigen.
Übrigens mache ich jetzt noch eine interessante Erfahrung, was den
Multifunktionsstoff der Outdoor-Hose betrifft. Wenn man mit so einer
Hose durch dichtes Brennesselgestrüpp stapft, dann hält man
normalerweise die Hände hoch, damit man sich die nicht vernesselt,
Beine und so sind ja durch Hose und so geschützt. Wenn die Hose aber so
klatschnass am Bein klebt, dann schützt die gar und überhaupt nicht vor
den Nesseln dieser Pflanzen... meine Beine müssen rotleuchtenden Wunden
gewesen sein - jedenfalls haben sie sich so angefühlt, als ich Wiese
und zugewachsenen Weg (mit Brennesseln zugewachsen, um das nochmal zu
verdeutlichen...) hinter mir gelassen hatte und mir anhand der Karte
einen Ersatzweg erarbeiten wollte.
Dann machte ich noch eine interessante Erfahrung. Wie ich so die Karte
drehe und wende fällt mein Blick auf das Impressum, und da steht
tatsächlich das Erscheinungsjahr der Karte: 1986. Tja, wer so blöde
ist, mit antikem Kartenmaterial durch die Gegend zu stapfen muß sich
nicht wundern, daß die Botanik nicht so nett ist, die vor 25 Jahren mal
eingezeichneten Wege aus purer Freundlichkeit nicht vollzuwuchern...
Aber was soll ich machen, ich suche mir anhand der Karte einen
Ersatzweg aus, einen, der absolut sicherstellt, daß die Sonne die ganze
Zeit auf mich scheinen kann um meinen Hintern wieder zu trocknen. Und
dann wandere ich weiter. Und mache umgehend eine weitere Entdeckung.
Als
Kind vom Dorf weiß ich natürlich, das Mücken tagsüber nicht unterwegs
sind und wenn, dann nur im Wald und in den Wald wollte ich nicht..
Warum ich als Kind vom Dorf allerdings vergessen hatte, daß die größte
Plage solch schwül-warmer Sommertage gar nicht die Mücken, sondern die
elenden Pferde-Bremse ist, das kann ich leider nicht beantworten. Diese
Viecher jedenfalls scheuen weder Sonne noch Hitze, sie kommen in
Scharen und tun richtig weg wenn sie zustechen. Wenn man dann
draufhaut, gibt es einen fetten Blutfleck, so daß ich gestern nach
wenigen Minuten Anämie befürchten musste. Einige Kilometer bin ich mit
beiden Armen um mich rudernd weitergelaufen, habe versucht, mit den
Händen immer wieder die Bremsen von Gesicht und Nacken zu verscheuchen,
um dann festzustellen, daß sich die Beister einfach auf den rudernden
Händen und Armen niedergelassen haben und da fröhlich Blut zu saugen.
Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, aber ein Mann muß
manchmal tun, was ein Mann tun muß und so habe ich es getan: Ich habe
meine Jacke wieder angezogen, um die Arme und Hände vor den
blutgierigen Viechern zu schützen. Ich denke es waren 30 Grad, hohe
Luftfeuchtigkeit, schwül-warm, ich trug eine warme Jacke und ruderte
mit den Armen, um die Bremsen von Gesicht und Nacken zu vertreiben.
Nach 10 Minuten war ich klatschnass geschwitzt.
Die Beschreibung des weiteren Wegs zurück zum Auto erspare ich mir. Ich
denke, wenn mir jemand begegnet wäre, hätte ich Angst und Schrecken
ausgelöst. Wild mit den armen rudernd, nassgeschwitzt und wütend immer
wieder "Mistviecher" schreiend durch die Wiese stapfend... ein
vertrauenserweckender Anblick ist das nicht.
Ich habe einige Erfahrungen gemacht gestern. Die wichtigsten beiden:
'Schau immer auf das Erscheinungsdatum der Karte' und 'Nimm Autan
mit'. Nun mag das alles in allem so klingen, als sei das ganze
ein furchtbares Erlebnis gewesen. Oh nein, das war es nicht. Es
war wunderschön. Ich habe viel gesehen, gehört, gerochen. Erzählen will
ich davon nur dies: Als ich so an der Wiese entlanglief und nach den
Bremsen schlug, rumpelte und pumpelte es auf einmal links von mir im
hohen Wiesengras, ich hörte lautes Flügelschlagen und einen heiseren
Schrei und dann erhoben sich zehn oder mehr Kraniche neben mir aus der
Wiese, schraubten sich erst relativ schwerfällig in den Sommerhimmel,
kreisten einige Male über mir Ruhestörer, schleuderten mir einige ihrer heiseren
Schreie entegen und flogen davon, Richtung Wald.
Kraniche lösen im Herbst, wenn sie hoch am Himmel ziehen und ich ihre
Rufe manchmal tagelang hören kann, immer ein Gefühl der Melancholie
aus. Bisher dachte ich, daß das auch daran liegt, das Herbst ist, ein
Jahr zuende geht. Seit gestern weiß ich, daß es an diesen Vögeln liegt,
an ihren Stimmen. Ich stehe inmitten bunt blühender Sommerwiesen an
einem heissen Sommertag, schaue Kranichen nach und min melancholisch.
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